Formate gegen epistemologische Beschwerden 

Im Rahmen von ARTILACS verordnen wir eine kleine kurative Maßnahme: unsere Veranstaltungsformate. Sie dienen nicht nur der Erkenntnisgewinnung, sondern auch als geistiges Stärkungsmittel gegen die große epistemologische Erschöpfung und das diffuse Gefühl allgemeiner Überforderung. Mit einer Mischung aus Theorie, Praxis und Austausch versuchen wir, gemeinsam Denk- und Handlungsräume zu schaffen, in denen Komplexität nicht lähmt, sondern inspiriert. Keine Patentlösung, aber vielleicht ein sanftes Gegengift – oder zumindest ein brauchbares Placebo.

Wie lassen sich die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Künstlicher Intelligenz und künstlerischer Praxis theoretisch fassen und kritisch-affirmativ beschreiben?

SEMINAR
Im Zentrum des Seminars steht die Auseinandersetzung mit der epistemologischen Grundfrage, die dem Forschungsvorhaben des Kollegs zugrunde liegt: Wie lassen sich die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Künstlicher Intelligenz und künstlerischer Praxis theoretisch fassen und kritisch-reflexiv beschreiben? Ausgehend von aktueller Forschungsliteratur zur Rolle von KI in den Künsten wollen wir diesen Fragen interdisziplinär nachgehen.  
Dabei nähern wir uns dem Thema sowohl aus medien-, kultur- und kunstwissenschaftlichen Perspektiven als auch aus Sicht konkreter künstlerischer Praktiken. Immer wieder werden wir den theoretischen Diskurs mit exemplarischen Fallstudien aus der zeitgenössischen Kunstpraxis verknüpfen, um die Wechselwirkung von technologischem Wandel und ästhetischer Produktion greifbar zu machen.  
Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem spezifischen Ansatz des Kollegs, das Verhältnis von ›Kunst‹ und ›KI‹ als »kritisch-affirmativ« zu denken: Ziel ist es, sich einerseits von pauschaler Kulturkritik oder kulturpessimistischen Reflexen zu lösen, andererseits aber auch nicht in eine unkritische Fortschrittsverherrlichung zu verfallen. Stattdessen soll ein differenzierter Blick gefördert werden, der sowohl die produktiven als auch die problematischen Potenziale Künstlicher Intelligenz in künstlerischen Kontexten sichtbar macht.  
Das Seminar versteht sich somit als experimenteller Denkraum, in dem wir bestehende Paradigmen infrage stellen, neue Perspektiven entwickeln und an der Schnittstelle von Theorie und künstlerischer Praxis arbeiten.  

Welche medialen Grundbewegungen strukturieren unsere politischen Öffentlichkeiten? Welche Rolle spielen algorithmische Logiken in der Herausbildung neuer Machtverhältnisse? Und wie können Kunst, Theorie und Kritik auf diese Dynamiken reagieren – affirmativ, widerständig oder beides zugleich?

SESSIONS 
In den Sessions von ARTILACS treffen Angehörige der Verbundpartnerhochschulen auf externe Gäst:innen, um gemeinsam über aktuelle politische, ästhetische und epistemologische Verschiebungen ins Gespräch zu kommen. Die Sessions dienen als verdichtete Denk- und Diskursräume, in denen theoretische Texte, künstlerische Positionen und eigene Forschungsansätze aufeinandertreffen – oft entlang eines thematischen Kerns, der von der Gegenwart her drängt.  
Dabei stehen Fragen im Zentrum wie: Welche medialen Grundbewegungen strukturieren unsere politischen Öffentlichkeiten? Welche Rolle spielen algorithmische Logiken in der Herausbildung neuer Machtverhältnisse? Und wie können Kunst, Theorie und Kritik auf diese Dynamiken reagieren – affirmativ, widerständig oder beides zugleich?  
Neben diesen theoretischen und politischen Dimensionen liegt ein Fokus auch auf den konkreten, technologisch-handwerklichen Aspekten künstlerischer Produktion. Es werden Arbeitsweisen, Tools, Techniken und ästhetische Strategien vorgestellt, diskutiert und im kollektiven Austausch erfahrbar gemacht.  
Die Sessions verstehen sich als Ort kollektiver Erkundung: kritisch, fokussiert, experimentell – und mit dem erklärten Ziel, nicht nur zwischen Disziplinen, sondern auch zwischen Institutionen nachhaltige Verbindungen zu knüpfen.

Wie lassen sich künstlerische Praktiken als Erkenntnisformen verstehen und vermitteln? Welche Form nimmt Forschung an, wenn sie sich nicht nur auf Worte, sondern auch auf Bilder, Klänge, Bewegungen oder Materialien stützt? Und wie entstehen aus individuellen Ansätzen kollektive Lernprozesse?

INTERNES KOLLOQUIUM 
Die internen Kolloquien von ARTILACS bieten einen kontinuierlichen Raum für die Präsentation und Diskussion der Promotionsvorhaben im Bereich künstlerischer Forschung an der HfMT Hamburg. Im geschützten Rahmen des Teams werden aktuelle Arbeitsstände reflektiert, methodische Fragen diskutiert und theoretische sowie ästhetische Bezugspunkte vertieft.  
Im Zentrum steht dabei das Leitmotiv des Wissenstransfers: Wie lassen sich künstlerische Praktiken als Erkenntnisformen verstehen und vermitteln? Welche Form nimmt Forschung an, wenn sie sich nicht nur auf Worte, sondern auch auf Bilder, Klänge, Bewegungen oder Materialien stützt? Und wie entstehen aus individuellen Ansätzen kollektive Lernprozesse?  
Die Kolloquien verstehen sich als Labor des Miteinander-Denkens – offen, kritisch und getragen von der Idee, künstlerische Forschung als gemeinsame Suchbewegung zu gestalten.  
 
KLAUSURTAGUNGEN 
Die Tagungen von ARTILACS sind als ganztägige, interne Klausurformate konzipiert, die dem intensiven Austausch zwischen den beteiligten Verbundpartnerhochschulen dienen. In ausgewählten Fällen laden wir auch externe Gäst:innen ein, um die Perspektiven zu erweitern und gezielte Impulse von außen zu ermöglichen.  
Im Zentrum jeder Tagung steht ein spezifisches Thema oder eine ausgewählte künstlerisch-theoretische Praxis an der Schnittstelle von Kunst, KI und Erkenntnistheorie. Die Tagungen bieten Raum für vertiefte Diskussionen, projektbezogene Rückkopplung und methodische Erprobung – sowohl auf akademischer als auch auf künstlerisch-praktischer Ebene.  
Dabei steht weniger die Repräsentation als vielmehr die produktive Auseinandersetzung im Mittelpunkt: Denken in Bewegung, Positionen im Entwurf, Praxis im Gespräch.  
Die erste Tagung am 6. November 2025 widmet sich dem Thema »Die technologische Bedingung«. Wir beschäftigen uns schwerpunktmäßig mit den technologischen Implikationen unseres Themas, das heißt mit technischen Daten und Fakten, die das Thema KI betreffen und die gelegentlich, im Furor philosophisch-künstlerischer Interpretationen zu kurz kommen. Impulsvorträge und Kurzreferate der Verbundpartner:innen bieten die Grundlage für eine gemeinsame Diskussion. 

Wie greifen gestalterische Strategien, mediale Inszenierungen und künstlerische Praktiken in politische und epistemische Kämpfe ein? Welche Rolle spielen Bilder, Klang, Code und Affekt in Zeiten algorithmischer Steuerung und globaler Unsicherheit? 

KONFERENZ 
Im Herbst 2026 lädt ARTILACS zu einer mehrtägigen Konferenz ein – ein Format, das wissenschaftliche Beiträge, lecture performances, künstlerische Arbeiten, Installationen, Konzerte und Ausstellungen miteinander verbindet.  
Die Konferenz richtet den Blick auf die ästhetischen Dimensionen gegenwärtiger politischer Konflikte – und auf die Konflikthaftigkeit von Ästhetik selbst. Wie greifen gestalterische Strategien, mediale Inszenierungen und künstlerische Praktiken in politische und epistemische Kämpfe ein? Welche Rolle spielen Bilder, Klang, Code und Affekt in Zeiten algorithmischer Steuerung und globaler Unsicherheit?  
Die Konferenz versteht sich als transdisziplinäres Feldexperiment: Theorie trifft auf künstlerische Forschung, Diskurs auf Praxis, Erkenntnis auf Irritation. Gemeinsam mit internationalen Gäst:innen, Künstler:innen und Forscher:innen entwickeln wir ein Programm, das die ästhetische Wirksamkeit von Kunst nicht nur analysiert, sondern auch unmittelbar erlebbar macht.