ARTILACS | Semester Kick-Off
Begrüßung aller am Projekt Beteiligten und Einführung in die für das Semester geplanten Inhalte und Veranstaltungen
Semesterschwerpunkt: Platons Erbe im Zeichen der Künstlerischen Intelligenz
Platons Erbe wiegt schwer. Es ist kein Bestand, der einfach verwaltet werden könnte, sondern ein Anspruch, der sich immer wieder neu erschließen, gegen den eigenen Kanon wenden und erneuern muss, um aktuell zu bleiben. Diese Aufgabe stellt sich im Zeitalter Künstlicher Intelligenz mit besonderer Dringlichkeit: Large Language Models verführen zugleich zum Begriff und zur Sinnlichkeit. Sie erzeugen Argumente mit derselben Geste, mit der sie Bilder, Stimmen und Stimmungen hervorbringen, und lassen so eine der ältesten platonischen Unterscheidungen – zwischen Logos und Aisthesis, zwischen Begriff und Erscheinung – in einem kaum mehr zu differenzierenden Strom aufgehen. Zugleich nötigen sie uns zu Konsum und Verzicht gleichermaßen: zu permanenter Aufnahme von Text, Bild und Wissen ebenso wie zu einer permanenten Übung der Zurückhaltung, der Auswahl und des Nein-Sagens. Aus dieser doppelten Nötigung erwächst der Bedarf nach einer eigenen Form der Wissenskuratierung und -begrenzung – nach einer neuen Achtsamkeit im Umgang mit dem Wissbaren, die Überfluss und Mangel produktiv verbindet.
Der Semesterschwerpunkt fragt damit zugleich, was »Künstlerische Intelligenz« – jenseits ihrer technischen Verfasstheit als Large Language Model – im Ausgang von Platon bedeuten könnte: als eine Intelligenz, die nicht bloß rechnet oder generiert, sondern die im Wechselspiel von Begriff und Erscheinung, von Wissen und Enthaltung, ihre eigene Form der Erkenntnis und Gestaltung sucht.
Der Schwerpunkt zeichnet dazu die wesentlichen Fluchtlinien nach, die von Platons »Symposion« bis in die politische Gegenwart reichen. Er fragt, was von der antiken Szene des gemeinsamen Trinkgelages – von der Praxis des abwechselnden Redens, Rühmens und Widersprechens, von der Ökonomie aus Gabe, Rausch und Zurückhaltung, die dieses Format reguliert – für eine Gegenwart einzuholen ist, in der Wissen nicht mehr im geteilten Raum eines Gastmahls, sondern in der Interaktion mit sprachgenerierenden Modellen zirkuliert. Im Rahmen dieses Schwerpunkts bereiten die Teilnehmer:innen ein eigenes Symposion des Graduiertenkollegs ARTILACS vor, das im Juni stattfinden wird, und schärfen dessen Konzept gemeinsam im Verlauf des Semesters – als konkrete, gelebte Erprobung dessen, was Künstlerische Intelligenz im Sinne ARTILACS‘ bedeuten kann.

