ARTILACS (Artistic Intelligence in Latent Creative Spaces)

KI ist überall. Sie lernt, wächst, entwickelt sich weiter. Während wir die Grenzen des Denkbaren verschieben, folgt sie uns. So sprechen wir längst nicht mehr nur von Werkzeugen am Rande der künstlerischen Praxis. Im künstlerischen Schaffensprozess wird die künstliche Intelligenz selbst zur Mitstreiterin – einer Entität, die nicht nur imitiert, sondern menschliche Intentionen und Ästhetiken gar neu formt. Was ist und bedeutet künstlerische Intelligenz in diesem Zusammenhang? Wo liegen ihre Potentiale, Grenzen, Schwächen und Möglichkeiten? Welche Auswirkungen bringt sie mit sich – für die Künste, Kunstschaffende und die Gesellschaft?

Als Künster:innen müssen wir uns der existenziellen Frage stellen: Was bleibt noch für uns zu tun?

ARTILACS stellt sich eben diese entscheidenden Fragen – als Graduiertenkolleg, als Kollektiv, als Verbundprojekt von vier künstlerisch-wissenschaftlichen Hochschulen in Hamburg und zwei Hochschulen in Lübeck. Im Zentrum seiner Philosophie steht das Prinzip der affirmativen Kritik – eine Auseinandersetzung mit KI, die weder naiv feiert noch kategorisch ablehnt, sondern ihre Potentiale und Fallstricke im Kontext der künstlerischen Praxis verstehen und gestalten will.

Latent kreative Räume 

Informationen werden nicht nur in der direkten Kommunikation kodiert und dekodiert. Auch Large Language Models (LLMs), unter ihnen etwa ChatGPT, operieren in sogenannten latenten Räumen – mathematisch beschreibbaren Vektorräumen hoher Dimension –, in denen komplexe sprachliche Strukturen, Bedeutungen und Zusammenhänge in abstrakter Form repräsentiert werden. Diese latenten Räume lassen sich als eine Art »semantischer Funktionsraum« verstehen, in dem Eingaben (zum Beispiel Text) in hochdimensionale Repräsentationen transformiert und weiterverarbeitet werden. Dieses Verhältnis zwischen kodierter Information, latenter Repräsentation und Systemreaktion dient ARTILACS als metaphorischer Bezugsrahmen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede kreativer Prozesse bei Mensch und Maschine herauszuarbeiten – und so das Potential eines künstlerisch-hybriden Denkens zwischen verschiedenen Formen der Intelligenz zu erforschen.

Wir begegnen der künstlichen Intelligenz affirmativ-kritisch: weder widerstandslos bejubelnd noch kategorisch ablehnend

Wir begegnen der künstlichen Intelligenz affirmativ-kritisch: weder widerstandslos bejubelnd noch kategorisch ablehnend

Vier künstlerische Forschungsprojekte: Perspektiven auf die Künste 

An dem 2025 ins Leben gerufenen Verbundprojekt ARTILACS sind vier Hamburger Hochschulen beteiligt: die Hochschule für Musik und Theater Hamburg (HfMT; federführend), die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW), die Hochschule für Bildende Künste Hamburg (HFBK) und die HafenCity Universität Hamburg (HCU). Darüber hinaus fungieren die Musikhochschule Lübeck und die Universität zu Lübeck als Partnerinstitutionen.   
An den vier Hamburger Standorten wurde je eine Promotionsstelle eingerichtet, deren Inhaber:in sich dem künstlerischen Forschungsgegenstand von ARTILACS aus der Perspektive der jeweiligen Hochschule nähert: Musiktechnologie und multimediale Komposition (HfMT), Digital Audio-Design (HAW), Digitales Grafikdesign (HFBK) und Architektur (HCU). Ungeachtet des jeweiligen Forschungsschwerpunkts steht der interdisziplinäre Austausch bei ARTILACS im Vordergrund. Dieser wird durch eine Vielzahl von regelmäßigen und besonderen Veranstaltungsformaten ermöglicht. 
Das Graduiertenkolleg wird durch die Landesforschungsbehörde der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung der Freien und Hansestadt Hamburg gefördert.