Präsentation | »Dilla Time – Perspektiven einer nicht-kolonialisierbaren Zeit« @ 6th INARJ / 1st SIG Conference
Vom 12.–14. November 2026 findet in Wien, Österreich, die 6th INARJ/1st SIG Conference – Artistic Research in Jazz and Popular Music statt. Dr. Benjamin Sprick (HfMT Hamburg) referiert über den US-amerikanischen Hip-Hop-Produzenten J Dilla und seine digitalen Sampling-Technologien.
Sprache: englisch
Zeitslot: tba
Über die Präsentation
Das musikalische Schaffen des US-amerikanischen Hip-Hop-Produzenten J Dilla (1974–2006) besitzt bis heute eine erstaunliche Aktualität. Mithilfe digitaler Sampling-Technologien entwickelte der aus Detroit (Michigan) stammende Ausnahmemusiker eine mikrometrische Ästhetik, die den Rasterlogiken digitaler Musikproduktion bewusst entgegentritt, um sie dadurch zugleich produktiv zu machen. Dillas Beats erzeugen eine charakteristische Form musikalischer Zeitlichkeit, in der Präzision und Imperfektion, maschinelle Rationalität und Körper, Zufall und Kontrolle kongenial ineinandergreifen.
Der als Lecture Performance konzipierte Beitrag widmet »Jay Dee« eine maßgeschneiderte Spielart von Artistic Research, um aus zahlreichen Musikbeispielen tragfähige musikästhetische Konzepte zu entwickeln. Zentral werden dabei neben dem von Gilles Deleuze geprägten Begriff eines (musikalischen) »Zeit-Bildes« auch Gedanken aus Achille Mbembes Buch Kritik der schwarzen Vernunft, die sich mit dem Verhältnis von Macht und Zeit befassen. Auf diese Weise soll ein Ansatz »widerständiger Technologie« geschärft werden, der sich – im Sinne einer künstlerischen Intelligenz – für algorithmische Systeme als ebenso anschlussfähig wie unverfügbar erweist.
Besonderes Augenmerk gilt dabei der im Titel der Konferenz angestrebten Verbindung von Jazz und Popmusik. Es wird die These ausgeführt, dass J Dillas musikalische Zeit-Bilder politisch-ästhetische Erfahrungsräume eröffnen, in denen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugleich präsent werden. Historische Klangfragmente erscheinen hier nicht als nostalgische Zitate, sondern als lebendige Spielart einer auf ihre eigene Variabilität hin ausgerichteten Musikkultur. Beats und Samples können als akustische Zeit-Montagen gehört werden, in denen sich Erinnerung, Improvisation und Vision ineinander verschränken.
Über die Konferenz
Artistic Research (AR) integrates creative practice with critical reflection to generate new knowledge, particularly in jazz, popular music and media music, where technology plays a transformative role. AR perceives artistic processes including improvisation, composition, performance and production as primary sites of inquiry, documenting how tools ranging from physical interfaces to artificial intelligence reshape sonic expression, creative workflows and cultural meanings. In jazz, technology extends improvisational traditions; in popular music, it influences groove, songwriting, accessibility and distribution; in media music, it enables adaptive scoring for film, games and interactive narratives.
Technology can be understood not merely as a set of instrumental tools but as a broader »mode of revealing« (Heidegger 1977). Extending this perspective, scholars have argued that social and cultural practices may function as »technologies of the self,« shaping identity and collective experience (Foucault 1988). The 6th INARJ / 1st SIG Conference explores the continuum from hands-on instrument making to AI co-creation, emphasizing experimentation in and through artistic practice, reflective documentation and interdisciplinary collaboration. Furthermore, it addresses policy questions around ethics, accessibility, education and equity while foregrounding embodied artistic practice as a rigorous method for uncovering technology’s affordances and limitations in contemporary music-making.

